Nach dem Rücktritt von Trainer Adis Herceg rumort es beim SVN Zweibrücken

Das Schalke 04 der Pfalz

(Die Rheinpfalz) Adis Herceg ist nicht mehr Trainer des Fußball-Regionalligisten SVN Zweibrücken. „Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen habe ich mein Amt am Samstag zur Verfügung gestellt“, sagte der 36-Jährige gestern auf Nachfrage der RHEINPFALZ. SVN-Geschäftsführer Hans-Jürgen Ländle bestätigte den Rücktritt und sprach von einer „überharten Reaktion“ Hercegs. Gestern Abend beschloss der SVN-Vorstand, dass es kein Comeback von Herceg geben wird.Außenstehende können über das, was derzeit beim SVN passiert, nur noch den Kopf schütteln. „Das Schalke 04 der Pfalz“, umschreibt Ländle die Situation, die einem Ränkespiel gleicht und die das Tempo, mit dem der Verein dem Abgrund entgegenfährt, erhöht. Klar ist, die ehemaligen und die neuen Entscheidungsträger sind sich nicht grün.

Mäzen Heiner Semar hat öffentlich seinen sofortigen Rückzug erklärt und Verunglimpfungen durch Herceg und fehlenden Rückhalt durch den Vorstand als Grund genannt (wir berichteten gestern). Warum er das öffentlich tut und was er damit bezweckt, darüber rätselt Geschäftsführer Ländle.

Herceg will sich zu seinen Rücktrittsgründen nicht äußern, betont aber, dass es nicht der Streit mit Schlussmann und Kapitän Thorsten Hodel war.

Ländle dagegen sieht sich von Herceg bei der Mannschaft in Misskredit gebracht, sagt, dass er nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten könne und nicht an seinem Posten klebe.

Wie geht es jetzt weiter? „Ich habe das Gefühl, dass der Trainer überhart reagiert hat und jetzt wieder zurück will“, beschrieb Ländle gestern Nachmittag die Situation, die heute in einem Treffen mit Herceg geklärt werden sollte. Ländle kritisiert, dass Herceg mit der Aussage, die Mannschaft wolle weiter mit ihm zusammenarbeiten, den Verein unter Druck setze. Gestern Abend dann die Entscheidung: Es wird kein Gespräch mit Herceg geben, stattdessen wird ein neuer Trainer gesucht.

Seit einer Sitzung am Dienstag vor einer Woche, in der Ländle den Spielern eröffnete, dass sie zur Winterpause den Verein verlassen können, „weil sie der Verein nicht bezahlen kann“, stand der SVN-Kessel unter Dampf. Der Geschäftsführer betont, dass seine Anfang Oktober getroffene Aussage, die Gehälter der Spieler seien bis Saisonende gesichert, Bestand habe. Voraussetzung sei allerdings, dass bereits in der Winterpause der für die nächste Saison vorgesehene Schnitt vollzogen werde. „Wir müssen radikal abspecken“, sagt Ländle. Junge, billige Spieler aus der Region, die maximal 250 Euro bekommen, sollen künftig das SVN-Trikot tragen.

„Der Verein wird in diesem Jahr keine Einnahmen haben, im kommenden Jahr noch viel weniger“, beschreibt Ländle die finanzielle Situation. Das habe er bei der Etatplanung berücksichtigt. Voraussetzung dafür, dass dieser Plan aufgeht, ist allerdings, dass frisches Geld hereinkommt. Gönner und Verantwortliche des Vereins wollen für ein Darlehen gerade stehen, das in dieser Woche abgeschlossen werden soll. „Ich gehe davon aus, dass das klappt“, sagt Ländle. Die Aussicht auf dieses Darlehen führte am 2. Oktober auch zur Aussage, dass die Insolvenz abgewendet werden konnte.

Neue Finanzquellen konnte Ländle seit dem Beginn seiner Tätigkeit im Vereinsmarketing im August nicht erschließen. Dass sich die Verlosung der Werbefläche Trikotbrust nicht als Renner entpuppt hat, räumt er ein. „Bis zur Winterpause werden wir mit blanker Brust spielen. Die Verlosung holen wir aber vor der Rückrunde nach“, betont er. Es habe Sponsoren gegeben, die auf keinen Fall aufs Trikot gewollt, dafür dem Verein Schulden erlassen hätten, sieht er dennoch Erfolge der Aktion.

„Ich stehe dem Verein nicht im Weg. Jetzt muss der Vorstand handeln“, sagte Ländle am Nachmittag. Der Vorstand hat entschieden, die Rolle rückwärts auf der Trainerposition wird es nicht geben. Herceg ist weg, Ländle ist der neue starke Mann. Am Samstag beim schweren Auswärtsspiel bei Astoria Walldorf wird er wohl auch als Interimstrainer auf der SVN-Bank sitzen.